St. Maximilian Kolbe
Brasilien
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© 2012 St. Maximilian Kolbe
 

Dominik Fromm

ist Mitglied im Jugendforum unserer Pfarrgemeinde und leistete seinen Zivildienst auf eigenen Wunsch in Brasilien ab.

Dank der Kontakte des ehehmailigen Kaplans Marcos Leite arbeitete er in einem Jugendzentrum in Petrolina, das vergleichbar ist mit Jardim Petrópolis, das sich in der Entstehung befindet.

Erster Bericht aus Brasilien

Petrolina, den 17. November 2009

 

Mittlerweile sind 5 Wochen vergangen seitdem ich hier angekommen bin.

Erst am Flughafen von Salvador da Bahia habe ich Agnes, das Mädchen aus Bamberg, kennen gelernt, die auch in Petrolina arbeiten wird. Nicht im selben Projekt wie ich und auch keine 9 Monate, aber immerhin jemand, mit dem ich mich ab und zu unterhalten kann und der mich auch komplett versteht - nicht nur sprachlich, sondern auch von der Mentalität her.

Mit ihr verstehe ich mich vom ersten Moment an blendend. Zusammen übernachten wir bei einer befreundeten Familie in Salvador, um dann am nächsten Tag,

dem 17. Oktober, mit dem Bus weiter nach Petrolina zu fahren.

Die ersten Tage verbringen wir in meiner Gastfamilie, um uns einzugewöhnen. Dort werden wir wirklich gut aufgenommen. Mithilfe von Robson, einem Brasilianer, der bereits 6 Monate in Deutschland verbracht hat und deswegen auch Deutsch spricht, konnten wir unter anderem die Stadt kennen lernen und Angelegenheiten regeln, wie das Melden bei der Staatspolizei. Da Robson Brasilianer ist, geht das größtenteils eher gemütlich vonstatten, aber wir sind trotzdem froh, dass wir ihn als Ansprechpartner haben.

 

Nach einer Woche Eingewöhnungszeit sind wir dann beide in unsere Projekte gezogen.

Ich wohne in einem kleinen Apartment direkt im Projekt. In den ersten Wochen bestanden meine Aufgaben größtenteils darin, den italienischen Freiwilligen, die schon einen Monat länger hier sind, zur Hand zu gehen. Ebenso sollte ich erst mal den normalen Tagesablauf und die Kinder des Projektes kennen lernen.

Seit dieser Woche gehört zu meinen Aufgaben auch das eigenständige Organisieren von Workshops. Hier bieten sich die unterschiedlichsten Möglichkeiten wie Sportangebote, Nachhilfe in Schulfächern, Gruppenspiele und

musikalisch-künstlerische Betätigung.

Das Projekt ist insgesamt auf vier Häuser aufgeteilt: Haus 1 für die Kinder im Alter von 8-11 Jahren, Haus 2 für die Kinder im Alter von 12 Jahren, Haus 3 für die Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren und schließlich das Haupthaus, in dem ich wohne und arbeite, für die Kinder zwischen 14 und 18 Jahren.

Da das Haupthaus mit einem überdachten Fußballplatz, 3 Räumen zum Unterrichten, einer kleinen Bibliothek sowie einer eigenen Küche samt Speiseraum über die meisten Möglichkeiten verfügt, finden hier auch die meisten Aktivitäten statt.

Ebenso ist hier deswegen der größte Teil der Jugendlichen, welche ausschließlich Jungen sind, untergebracht.

 

Im normalen Tagesablauf wache ich zum ersten Mal um 6 Uhr auf, da zu diesem Zeitpunkt auch die ersten Kinder aktiv werden. Die Arbeit beginnt aber glücklicherweise erst nach dem Frühstück um 7:30 Uhr.

Dann steht erst mal schulische Nachhilfe auf dem Plan. Hier helfen wir Freiwilligen den Kindern bei ihren Schulaufgaben, vor allem bei Englisch und Mathe.

Vor dem Mittagessen steht dann oft noch sportliche Betätigung, natürlich Fußball, auf dem Plan.

Vor allem hier musste ich in den ersten Wochen einiges einstecken: da ein Großteil der Kinder Barfuss spielt, dachte ich, das kann ja nicht so schwer sein – kleiner Irrtum. Schon nach dem ersten Mal wurde ich dafür ausgelacht, dass mir als Deutscher für den Fliesenboden, auf dem nun mal gespielt wird, einfach Übung und Hornhaut fehlen. Die Blasen haben mich schnell gelehrt mit Schuhen zu spielen.

 

Nach der Mittagspause steht für mich dann momentan immer Englisch-Unterricht auf dem Plan. Das bedeutet, dass ich versuche den Kindern des Projektes vor allem die Aussprache beizubringen, da man sich damit hier allgemein echt schwer tut.

Später nachmittags kommen dann meistens noch Kinder und Jugendliche von außerhalb des Projektes (Alter 7-18 Jahre) und es folgen wieder 2 Stunden Fußball.

 

Nach dem Abendessen kommen dann jeden Abend Gruppen von außerhalb, die die Räumlichkeiten des Projektes nutzen. So zum Beispiel eine Capoeira-Gruppe (Capoeira ist der brasilianische Kampftanz), Musikgruppen, sowie eine Volleyballtruppe.

Die Capoeira-Gruppe hat mich am meisten beeindruckt. Diese Woche habe ich zum ersten Mal mitgemacht und habe zwar gemerkt, dass es nicht leicht ist, aber wirklich viel Spaß macht, da es ein Gemeinschaftssport ist und man hier die lebensfrohe brasilianische Mentalität lebt und erlebt.

 

Insgesamt habe ich mich jetzt schon ganz gut eingewöhnt, auch wenn die Hitze manchmal wirklich unerträglich ist. Allerdings habe ich auch die heißeste Zeit des Jahres hier direkt zu Beginn erwischt. Es ist täglich über 35 Grad heiß, die Nacht lässt sich fast ausschließlich nur mit Ventilator aushalten.

Die Busse verkehren hier zwar mehr oder weniger regelmäßig - nur weiß keiner so genau, wann. Man stellt sich also an die entsprechende Bushaltestelle und wartet, früher oder später muss ja ein Bus kommen.

Ebenso schwer tue ich mich aber momentan auch noch mit dem Essen: täglich Bohnen und Reis lassen mich das deutsche Essen schon vermissen.

Mit der Sprache komme ich jetzt schon gut zurecht, wobei ich den Vorteil habe, dass ich bereits Spanisch in der Schule gelernt habe. Da die Grammatik größtenteils fast identisch ist und auch viele Wörter sehr ähnlich sind, fällt mir die Sprache zum Glück nicht allzu schwer.

Aber ich denke, dass ein ziemlicher großer Dank dafür, dass es uns hier so gut geht, den Brasilianern gebührt, die uns wirklich sehr gastfreundlich aufgenommen haben und versuchen uns zu helfen, wo es nur geht.

 

Ich freue mich wirklich hier zu sein, möchte die Zeit natürlich genießen und werde jetzt in den nächsten zwei Wochen auch das Projekt unserer Gemeinde besuchen, um der Gemeinde aktuelle Fotos und Berichte auch von diesem Projekt zukommen zu lassen.

 

 

Mit freundlichen Grüßen aus Brasilien und vielen Dank für ihr Interesse

Dominik Fromm

 

Bericht über Jardim Petrópolis

Petrolina, den 24.12.09

Diesen Samstag habe ich zum zweiten Mal die kleine Kapelle im Viertel Jardim Petrópolis besucht. Diese ist nun mehr denn je Treffpunkt der Jugendlichen und Kinder des Viertels. Die improvisierten Holztore auf dem Fussballplatz, die ich noch vom letzten Jahr kannte, wurden mittlerweile durch neue Aluminiumtore ersetzt. Zusätzlich gibt es nun auch noch ein Volleyballnetz. Die Gebäude, an deren feierlicher Grundsteinlegung wir letztes Jahr teilgenommen haben, sind mittlerweile fast fertiggestellt. Es fehlen lediglich noch die Einrichtung sowie die Stromverbindung, was jetzt jedoch für die nahe Zukunft angesetzt ist.

 

Da ich mich mit Robson, dem brasilianischen Kontaktmann meiner Organisation, für 4 Uhr nachmittags an der Kapelle verabredet hatte, traf ich dort natürlich mit deutscher Pünktlichkeit um 4 Uhr ein. Gut, Robson kam dann ungefähr eine Dreiviertelstunde später, das machte dann aber auch nichts, denn er kam immerhin samt Dom Paulo, dem Bischof der Stadt, und Dr. Julho, dem Bürgermeister Petrolinas, für den Robson mittlerweile arbeitet.

Nach einem einführenden Gespräch mit Olivia, die die Leitung des Projektes inne hat, zeigte uns Jozé die Gebäude und einzelnen Räume. Wie schon erwähnt, sind diese noch nicht fertiggestellt, aber die Leute sind doch sichtlich froh, dass mittlerweile soviel zustande gekommen ist und sind auch stolz auf die Räumlichkeiten, die sie zeigen können.

Danach geben der Bischof und der Bürgermeister noch Interviews und beraten zusammen über die Zukunft des Projektes.

 

Bemerkenswert bei der ganzen Sache ist, dass beide unglaublich volksnah sind. Weder Bürgermeister noch Bischof haben Bodyguards dabei, der Bürgermeister hat den Wagen, mit dem er, der Bischof und Robson angekommen sind, selber gefahren und tritt relativ locker in Jeans und Turnschuhen auf.

 

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Projekt durchaus nicht vergessen wurde und auch nicht mit weniger Intensität betrieben wird, im Gegenteil. Die Kinder freuen sich über die erweiterten Möglichkeiten und die Verantwortlichen des Projektes blicken zuversichtlich in die Zukunft, wenn dann alles fertiggestellt sein wird.

 

Zum Schluss bleibt mir dann nur noch den aufrichtigen Dank der Menschen von Jardim Petrópolis auszurichten, die mitbekommen haben, dass ich aus der unterstützenden Gemeinde bin und die sich sehr darüber gefreut haben, dass weiterhin ein solches Interesse an dem Projekt besteht.

 

Ich wünsche Ihnen allen frohe Weihnachten, gesegnete Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Gruss aus Brasilien

Dominik Fromm

3. Bericht an die Gemeinde

Petrolina, den 01. März 2010

Jetzt ist auch schon die Hälfte um.

Am Mittwoch, dem 3.3.2010, sind genau 140 meiner 280 Tage hier in Brasilien um. Es ist also ein guter Zeitpunkt für einen aktuellen Bericht.

Der Januar war ein schwieriger Monat, ein Monat des Abschieds.

Am 6. Januar dieses Jahres haben sich die drei italienischen Freiwilligen, die mit mir in dem Projekt gearbeitet haben, auf den Heimweg gemacht und am 27. Januar ist auch Agnes, die andere Deutsche, nach Hause, zurück nach Deutschland geflogen.

Vor allem der Abschied von Agnes und die zwei Wochen danach waren sehr schwer. In den 15 Wochen, die sie hier war, habe ich in ihr eine sehr gute Freundin und eine hilfreiche Verbindung zu Deutschland gefunden.

 

Zum Glück kam dann auch schon recht bald der Karneval, der hier zur selben Zeit stattfindet, wie in Deutschland. Die ansteckende Stimmung der Brasilianer hier hat mich dann wieder aufgemuntert. Zudem war dies, glaube ich, der erste Karneval in meinem Leben, wo ich mir nicht die Füße abgefroren habe. Die Feiern und Aktivitäten werden hier aufgrund der Hitze in die Abendstunden gelegt.

Das Wetter ist allerdings schon viel erträglicher geworden. Durch jetzt öfter auftretenden Regen ist es in der Regel etwas kühler als im Oktober und November, allerdings sind es immer noch jeden Tag über 30 Grad.

 

Aber nun bin ich also der letzte verbliebene Freiwillige in diesem Projekt und daran wird sich bis zu meiner Rückkehr im Juli wohl auch nichts mehr ändern.

Dadurch habe ich jetzt natürlich noch mehr mit den Jungs aus dem Projekt zu tun, als vorher schon, wodurch sich dann auch die Arbeit ein wenig geändert hat. Bei der morgendlichen schulischen Nachhilfe bin ich nun alleine mit den Jungs, was immer wieder zu Schwierigkeiten führt, da ich nicht auf alle gleichzeitig achten kann.

An bemalte Möbel und geklaute Malutensilien habe ich mich mittlerweile schon fast gewöhnt.

Trotzdem macht mir die Arbeit Spaß. Immerhin gibt es auch noch andere Aktivitäten:

Vor kurzem habe ich eine Schach-AG begonnen und trotz einiger Schwierigkeiten Schach und Schach-Matt auf einer anderen Sprache zu erklären, hoffe ich, vor meiner Abreise eventuell noch mit einigen Jungs an einem örtlichen Turnier teilzunehmen.

Fußball kann ich mittlerweile auch gefahrlos barfuß spielen.

 

Den Englisch-Unterricht führe ich immer noch weiter, wenn auch als beinahe aussichtslosen Kampf. Erstens scheint der Brasilianer an sich für die Aussprache einfach nicht geeignet.

Überdies besteht bei den meisten Jungs einfach kein Interesse an der Sprache, da die Notwendigkeit nicht vorhanden ist. Englisch ist hier in Brasilien bei weitem nicht so wichtig, wie in Europa. Lediglich in den Städten mit touristischer Bedeutung wie Rio de Janeiro, Salvador oder São Paulo wird sie häufiger benutzt.

Da wir hier in Petrolina allerdings weit vom Tourismus entfernt sind und der Unterricht in den Schulen auch noch nicht so ausgeprägt ist, ist das Interesse am Unterricht eher gering.

 

Jetzt im nächsten Monat habe ich allerdings frei und werde, selbst als Tourist, ein wenig das Land bereisen. Zunächst geht es in den Süden nach São Paulo, wo ich den ehemaligen Kaplan unserer Gemeinde Marcos Leite treffen werde, der dort mit seiner Familie seinen Geburtstag feiern wird. Da ich dann sowieso schon mal im Süden bin, werde ich wahrscheinlich auch noch ein paar Tage an die Copacabana nach Rio fahren.

 

 

Dann bleibt mir nur noch zu sagen/schreiben, dass ich mich auf die zweite Hälfte freue. Ich habe bereits so viele Erfahrungen gesammelt und so viel gelernt und jetzt werde ich die selbe Zeitspanne noch mal erleben.

Ich werde vor meiner Rückreise auf jeden Fall wieder schreiben.

 

Bis dahin

Freundliche Grüße aus Brasilien

Dominik Fromm

 

Bericht zum Abschluss des Aufenthalts von D. Fromm

Am 21.07.2010 um 12:04 ist es soweit: Ich verlasse den Ankunftsbereich des Frankfurter Flughafens und bin nach über 9 Monaten zurück in Deutschland. Komplett. War der tränenreiche Abschied von meiner Gastfamilie und von den Jungs aus dem Projekt noch so schwer, umso leichter ist es jetzt, in die Routine zurückzukehren.

Ich fühle mich, als wäre ich nie weg gewesen. Natürlich denke ich, auch jetzt nach 2 Monaten, noch oft zurück an die Erfahrungen, an Freunde, Gastfamilie, schöne und schwere Momente. Doch alles wirkt wie ein ferner Traum.

Anfangs denke ich noch: „Vielleicht kommt das Fernweh noch nach einer gewissen Zeit, wenn ich mich erstmal wieder eingewöhnt habe“, doch Zeit zum Eingewöhnen bleibt mir gar nicht erst:

Vier Wochen nach meiner Ankunft geht es schon weiter zum Studium, wieder ein Umzug, diesmal für einen, hoffentlich, längeren Zeitraum als beim letzten Mal.

Aufgrund meines Studiums kann ich dann auch leider nicht beim Pfarrfest anwesend sein und kann so nur einen Abschlussbericht geben.

 

9 Monate, das ist eine ziemlich lange Zeit für einen Menschen in meinem Alter.

9 Monate weit weg von Familie, Freunden und Heimatstadt.

Am Anfang ist natürlich erst einmal alles großartig. Es gibt einfach so viele neue Sache zu sehen und Leute kennen zu lernen, dass man gar nicht allzu viel Heimweh verspürt. Das sehr gute Wetter trägt dann einen weiteren Teil dazu bei, sich absolut wohl zu fühlen. Für mich war es vor allem auch ein Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern von 2008.

Den größten Anteil jedoch an meiner leichten Eingewöhnung, den hatten die Menschen aus meiner direkten Umgebung: Robson, Agnes (die andere Deutsche) und ganz besonders meine Gastfamilie. Mit diesen Personen habe ich die meiste Zeit verbracht, mit ihnen konnte ich immer und über alles reden, je nachdem auf deutsch oder portugiesisch, ganz wie ich es wollte und das hat einfach gut getan.

 

Agnes ist dann Ende Januar nach 3 Monaten leider schon zurück nach Deutschland geflogen, was mir den ersten richtigen Dämpfer gegeben hat. Damit war auch das letzte Stück Deutschland in weite Ferne gerückt und die ersten zwei Wochen im Februar waren demnach für mich auch die schwerste Zeit.

Aber auch die habe ich mithilfe Robson und der Gastfamilie gut überwunden.

 

Mit der Zeit habe ich mich dann natürlich immer weiter eingelebt, bin immer selbstständiger geworden und habe dabei auch gemerkt, wie ich mich verändere. Natürlich, 9 Monate in einem fremden Land gehen nicht einfach spurlos an einem vorbei.

Ich bin mit der Einstellung nach Brasilien gereist, jede Chance etwas Neues kennen zu lernen, zu nutzen. Und so habe ich einfach eine für mich auch selbst überraschende Spontanität entwickelt und so gut wie nie zu einer Einladung oder einem Treffen nein gesagt, worüber ich auch wirklich froh bin.

 

Aber natürlich gab es nicht nur die schönen Erfahrungen, sondern immer auch wieder verstörende, traurige oder ärgerliche.

Die verstörenden kamen vor allem in dem Projekt vor. Wenn ich gesehen habe, wie sich die Kinder untereinander teilweise behandeln, das entzog sich einfach manchmal meinem Verständnis.

Doch lernte ich mit der Zeit (mit wachsender Sprachkenntnis) die Kinder immer besser kennen, hörte auch ihre Geschichten. Und auch das veränderte etwas in mir, weil man teilweise nicht mal erahnen kann, was diese Kinder in ihrem Alter schon durchgemacht haben. Das geht von häuslicher Gewalt und Drogen bis zu der Erfahrung, auf der Straße zu leben – auch nachts. (Und hier kam man nicht mal erahnen, was die Jungs teilweise schon alles gesehen haben.)

Das alles hat diese Kinder geprägt und auf ihre Weise verändert. Natürlich kann man dadurch manches Verhalten, manche Aggressivität nicht entschuldigen oder herunterspielen, aber man kann sie verstehen und damit das Kind auch besser verstehen. Das schien den meisten Mitarbeitern dort aber nicht so bewusst zu sein.

Deswegen und weil ich nach einer gewissen Zeit weder von meiner Organisation noch von meinen Vorgesetzten genaue Angaben erhielt, was ich denn nun genau tun sollte, entwickelte ich eine eigene Auffassung meiner Aufgabe in dem Projekt. Ich versuchte, für die Jungs mehr ein Kumpel denn ein Erzieher zu sein. Schon jemand, der sie auch mal in die Schranken weist, aber sonst auch jemand, mit dem man herumscherzen kann oder einfach auch nur reden, ohne dass man für das, was man sagt, ausgelacht wird.

Das hat den Jungs sichtlich gut getan und das wiederum hat mich dann auch in meiner Einstellung bestätigt.

 

Allerdings gab es auch noch weiterhin bedrückende Erlebnisse, was aufgrund der teilweise extremen Armut auch nicht zu vermeiden war/ist.

Oft habe ich, wenn ich früh unterwegs war, Männer oder Kinder auf der Straße liegend schlafen gesehen, mit nichts als ihrer Kleidung und vielleicht einem Karton, um nicht direkt auf dem Steinboden zu liegen.

Öfter wurde ich auch von abgemagerten verzweifelt blickenden Leuten angebettelt.

 

Im krassen Gegensatz zu diesen traurigen Bildern steht dann aber der doch ungebrochene und bedingungslose Glauben dieser Menschen. Viele haben so wenig und teilen dennoch so gerne alles was sie haben, da für sie aufgrund ihres Glaubens Gastfreundschaft an allererster Stelle steht.

Ich war so oft in Häusern fremder Leute zu Besuch, die alles mit mir teilten, deren größte Sorge mein Wohlergehen war und die sich immer wieder entschuldigten, dass sie mir, der ich doch sicher viel mehr gewohnt sei, nicht mehr bieten könnten.

Aber grade in solch einfacheren Haushalten habe ich die größte Herzlichkeit und Offenheit erlebt und mich dort auch wohl gefühlt.

Diese Einstellung, diese Gastfreundschaft, Offenheit und Spontanität war für mich eine der wichtigsten Erfahrungen die ich dort gemacht habe, eine der wichtigsten Sachen, die ich von dort mitgebracht habe und die mir auch weiterhin wichtig sind.

 

 

Diese 9 Monate haben mich also in vielerlei Hinsicht geprägt, mich auch weitergebracht und ich würde es jederzeit wieder tun. Ich bereue es nicht und sehe die 9 Monate auch absolut als nicht verschwendet an, wenn auch mancher meiner Freunde jetzt bereits in sein zweites Studiums- oder Ausbildungsjahr kommt.

 

Ich freue mich wirklich diese Erfahrung gemacht zu haben und danke Ihnen alle für das rege Interesse an meiner Arbeit sowie an dem Projekt unserer Gemeinde, das nun kurz vor der Fertigstellung steht.

Ich werde mich bemühen, auch weiterhin aktuelle Informationen und Fotos von dem Projekt an die Gemeinde weiter zu leiten und werde, sollte sich die Gelegenheit zeitnah ergeben, auch noch einmal einen Informationsabend in die Wege leiten.

 

 

Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute, ein frohes Pfarrfest und bis bald

 

Dominik Fromm

Eindrücke